OSZ-Schüler sorgen für glänzende Stolpersteine in Oranienburg

Oranienburg (OGA) Zweimal jährlich werden die Oranienburger Stolpersteine aus Messing poliert. Am Freitag machten sich Schüler des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums mit Wasser, Schwämmchen und „Elsterglanz“ an die Arbeit.

In Sichtweite des Schlosses, in der Havelstraße 10, wo heute Autos auf einem unbebauten Grundstück verkauft werden, befand sich einst ein großes gründerzeitliches Eckhaus. Die Familie Lauter aus Perleberg hatte das Gebäude 1912 gekauft und bezogen. Im Erdgeschoss betrieb der jüdische Kaufmann Samuel Lauter sein Geschäft „Die Berliner Bekleidungsindustrie“. Lauter wohnte mit seiner Frau Berta und den vier Kindern im Haus. Er war außerdem Buchhalter und zweiter Vorsteher der jüdischen Gemeinde.

Samuel Lauter war 74 Jahre alt und krank, als er ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert wurde, wo er am 9. November 1942 starb. Deportiert wurden auch Erich, Bella, Ilse, Gerhard und Horst Mathias. Vermutlich wurden sie zusammen ermordet, denn für alle ist das selbe Todesdatum notiert. Das Schicksal anderer jüdischer Einwohner Oranienburgs blieb ungeklärt. Fragezeichen stehen unter den Namen auf anderen Stolpersteinen.

Was aus Günther Mannheim wurde, der in der Havelstraße 6 lebte, ist nicht bekannt. Seine Mutter Therese kam am 14. April 1942 im Warschauer Getto um. Auch mithilfe von Schülerprojekten im Geschichtsunterricht soll das Schicksal weiterer früherer jüdischer Bewohner Oranienburgs geklärt werden. Am Freitag war Geschichtslehrer Axel Knust mit 19 Schülern unterwegs, die in vier Gruppen insgesamt 35 Messingsteine polierten, damit sie wieder auffallen und Passanten, sprichwörtlich darüber stolpern.

Zweimal jährlich werden die Gedenksteine aufpoliert. Insgesamt sind 60 Steine in Oranienburg verlegt, die ersten 2006. Die Initiative stammt vom Kölner Künstler Gunter Demnig, der die Steine auch in Oranienburg verlegte. Im Herbst sollen weitere Steine dazukommen, sagt Axel Knust. Dann soll auch an die Familie Baermann erinnert werden, die in der früheren Markgrafenstraße lebte. Max Baermann war der erste Vorsteher der jüdischen Gemeinde.

In der Havelstraße 10 lebten elf jüdische Bewohner, sie waren mit Samuel Lauter verwandt. Einigen gelang – wie der Familie von Oranienburgs Ehrenbürger Michael Blumenthal – die Flucht nach Shanghai. Dort jedoch verliert sich ihre Spur. Das Schicksal von Helga Lauter haben die OSZ-Schüler recherchiert. Sie folgte ihrem Mann in Richtung Bolivien. Von Montevideo zog das Paar nach Los Angeles, wo ihre beiden Kinder Miriam und Peter geboren wurden. Helga Lauter starb 2007. Das habe deren Enkelin Yvonne Harpuder übermittelt.

„Hinter jedem Stein steckt ein menschliches Schicksal“, sagt Axel Knust. An die Menschen, die Oranienburg verlassen mussten, die in Gettos und Konzentrationslagern den Tod fanden, erinnerten die Schüler mit Rosen. Leider jedoch würden die Blumen oft innerhalb weniger Minuten verschwinden, sagt Knust.

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