LAP 2011-2014

Bereits 2007 sah der Landkreis Oberhavel Handlungsbedarf im Themenbereich und bewarb sich beim damaligen Bundesprogramm „Vielfalt tut gut“. Diese Bewerbung war auf Bundesebene nicht erfolgreich, war aber Initialzündung für das Engagement im Landkreis. Der Kreis stellte in den Haushalt Mittel für einen Fond zur Förderung von Projekten für Demokratie und Toleranz ein (ursprünglich geplant als Ko-Finanzierung für das Bundesprogramms), der bis heute der Unterstützung kleiner Initiativen und Vereinen dient. (Informationen dazu finden sie hier). Parallel dazu gründete sich das „Netzwerk für lebendige Demokratie“, ein Zusammenschluss von Vereinen, Initiativen und Kommunen um ihre Bemühungen für ein friedliches, menschenwürdiges und demokratisches Miteinander zu bündeln und zu koordinieren.

Für die Bewerbung beim Bundesprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ waren damit optimale Voraussetzungen geschaffen. Der Landkreis erhielt den Zuschlag als Förderregion und es wurde ein Lokaler Aktionsplan erarbeitet. Ziel dieses Aktionsplanes war es, strukturelle Veränderungen anzuschieben und demokratische Prozesse erlebbar zu gestalten und möglichst viele Akteure in diesen Prozess mit einzubinden. Es ging  schwerpunktmäßig um Beteiligung, Bildung, Anerkennungsformen und Erleben von Gemeinschaft (Identität). In drei großen Säulen „Demokratie braucht Demokraten“, „Politische Bildung“ und „Lokale/ Kommunale Bildungslandschaften“ wurden Projekte entwickelt und umgesetzt, die sich an diesen Ansprüchen messen ließen.

Parallel dazu stand für kleinere Projekte weiterhin der Demokratiefonds des Landkreises zur Verfügung. Das Wissen um Finanzierungsmöglichkeiten hat das Engagement der zivilgesellschaftlichen Kräfte verstärken können.

Positiv hervorzuheben ist das Bestreben, im Löwenberger Land, einer Kommune mit 17 Ortsteilen, eine „Lokale Bildungslandschaft“ einzurichten. Dies konnte zwar in den drei Jahren der Förderung nur in Ansätzen erreicht werden, aber es wurde deutlich, dass auf diesem Wege  Identität gestärkt und strukturelle Veränderungen angeschoben werden konnten. Gemeinsam mit allen Beteiligten sollte die Verantwortung für das Aufwachsen der Kinder- und Jugendlichen übernommen werden und die Rahmenbedingungen verbessert werden. Nicht alle Ideen konnten in den drei Jahren umgesetzt werden und noch einige Baustellen bleiben offen, aber das Engagement der Aktiven ist weiter unbegrenzt.

Die Beobachtungen im Löwenberger Land hatten Einfluss auf die Regelstrukturen und im Fachbereich Jugend wurde die sozialräumliche Sichtweise in der Jugend(sozial-)arbeit stärker gefördert, sodass die Bereiche Jugendarbeit und Sozialarbeit an Schulen enger verbunden werden und in Form von Kompetenzteams die Regionen stärken. In den vergangenen Jahren haben sich die Handlungsfelder der Jugendarbeit mit den neuen Schwerpunkten „Politische Bildung“, „Beteiligung“ und „Gemeinwesenorientierung“ durchgesetzt und werden inhaltlich durch den Fachbereich Jugend intensiv begleitet (Fortbildungen etc.). Es können hier bereits erste Erfolge als Grundlage für die weitere Arbeit genutzt werden. So gibt es in einigen Gemeinden Ansätze für Jugendbeteiligung auf kommunaler Ebene, im Nordkreis sogar kommunenübergreifend.

Durch die Begleitung der Vernetzung der Schülerinnen und Schüler der „Schulen ohne Rassismus – Schulen mit Courage“ konnte sich ein schwerpunktmäßig im Südkreis verhaftetes Netzwerk („Netzwerk Courage“) bilden, in dem SchülersprecherInnen und engagierte SchülerInnen gemeinsam Aktionen planen, die antirassistisch wirksam sind. Höhepunkt war ein selbstorganisierter Wettbewerb mit Schülerbands auf dem Oranienburger Schlossplatz im Jahr 2014, welcher großen Erfolg hatte.

Als weitere Highlights der Arbeit des Lokalen Aktionsplans Oberhavel in den vergangenen Jahren seien genannt:

  • Das Register Oberhavel, welches sich um die Dokumentation von rechtsextremen Übergriffen und Aktionen kümmert und damit die Initiativen und Netzwerke immer aktuell informieren kann.
  • Die künstlerischen Projekte des Creativ e.V., der interkulturelle generationsübergeifende Projekte in der Oranienburger Mittelstadt umsetzt, einer Region, in der vorwiegend Familien mit Migrationshintergrund und geringem Familieneinkommen leben. Hier ist es gelungen, eine dauerhafte Kooperation der Schulen und Vereine vor Ort umzusetzen.
  • Die jüdische Gemeinde hat in Kooperation mit dem Georg-Mendheim-Oberstufenzentrum verschiedene Projekte zur Erforschung jüdischer Geschichte in der Region umgesetzt und beteiligt sich mittlerweise aktiv am Gemeinwesen der Stadt Oranienburg.
  • Durch regelmäßige Beteiligungsprojekte mit Jugendlichen konnte das Verständnis der jungen Menschen für politische Zusammenhänge und Beteiligungsmöglichkeiten im Gemeinwesen gestärkt werden.

In der Abschlussdokumentation können Sie die Ergebnisse nachlesen.